F&A - Sternenklar

06 Februar 2025
Andrea Und Sophia 8521N
© VMN Horst Huber, Andrea Frede und Sophia Rüscher-Fussenegger von Sternen-Klar

Wie ist die Idee gekommen, so ein Treffen ins Leben zu rufen?

Andrea und ich hatten beide unabhängig voneinander schon immer das Bedürfnis, ein Angebot für Sterneneltern im Unterland zu schaffen. Wir selbst sind betroffene Sternenmamas und haben gemerkt, wie wichtig die Gespräche über das Erlebte für unseren Trauerprozess waren.

Als wir uns dann im Zuge unseres Studiums zur psychosozialen Beraterin kennenlernten, war sehr schnell klar, dass wir unser Projekt namens Sternenklar starten werden. Nachdem wir uns mit den Sternenmamis im Oberland kurzgeschlossen hatten und Florian Eberle vom Lebensraum Bregenz uns das Angebot machte, seine Räumlichkeiten zu nutzen, ging alles sehr flott und wir durften bereits im August 2023 unseren ersten Gesprächsabend für alle Sterneneltern sowie deren Angehörige abhalten.

Wie viele Teilnehmer*Innen habt ihr durchschnittlich?

Das ist ganz unterschiedlich. Derzeit sind es zwischen 1-4 BesucherInnen. Fakt ist, dass Sternchen immer noch ein Tabuthema sind und viele Eltern das Gefühl haben alleine damit fertig werden zu müssen. Vor allem wenn der Verlust in der frühen Schwangerschaft stattgefunden hat. Vorarlberg ist natürlich auch sehr klein und eventuell besteht die Angst, dass mich dort jemand kennen könnte und man stellt sich die Frage: „Will ich, dass das alle wissen?“ Uns ist hier ganz wichtig, dass Eltern, auch ganz anonym zu uns kommen können. Sprich es gibt keine Namenslisten oder Anmeldungen. Jeder kann so kommen und soll auf die Art gestärkt aus diesem Gespräch rausgehen wie er oder sie es braucht.

Was ist das Besondere bei so einem Treffen?

Das besondere bei unseren Treffen ist, dass alles Platz hat: Trauer, Ärger, Unverständnis, Zorn, Angst, Freude und Liebe, denn die Trauer hat viele Gesichter und wir schaffen mit unserer Gesprächsgruppe einen Raum, in dem alles sein darf aber nichts sein muss.

Im Zuge dieses Vorhabens durften wir schon unglaublich tolle Mamas und Papas kennenlernen, die alle ganz unterschiedliche Geschichten erzählen, die aber alle durch ihre Sternchen miteinander verbunden sind. Das Gefühl das wir durch unsere Gesprächsgruppe geben wollen ist, dass wir jedem Sternchen in seiner Einzigartigkeit Raum geben und den Eltern und Angehörigen zeigen, dass sie in dieser Trauer nicht alleine sind. Das ist unserer Meinung nach das, was die Gesprächsgruppe ausmacht und unsere Arbeit so wertvoll macht.

Können auch Väter teilnehmen?

Ja unbedingt! Uns ist ganz wichtig, dass auch die Trauer der Väter bei uns einen Platz bekommt. Denn oft ist es ja so, dass diese versuchen für ihre Familie und vor allem für ihre Partnerinnen stark zu sein. Dass sie aber auch um ein Kind trauern und die Erlebnisse verarbeiten müssen, die sie im Zuge des Verlusts gemacht haben, wird oft übersehen. Uns ist daher wichtig, dass alle, die das Bedürfnis haben an der Gruppe teilzunehmen auch wissen, dass sie herzlich Willkommen sind.

Wir wisssen, dass es für die Partnerschaft sehr herausfordernd sein kann, wenn beide Partner unterschiedlich trauern. Durch diese Einzigartigkeit kann es zu vielen Missverständnissen und Frustration kommen, die man in einem geführten Gespräch gut auflösen oder individuell begleiten kann, um beiden Trauerprozessen die nötige Aufmerksamkeit und Validität zu geben.

Habt ihr psychologische Unterstützung dabei?

Wir sind beide ausgebildete psychosoziale Beraterinnen und daher auch für herausfordernde Situationen gewappnet. Wir denken, das zeichnet uns auch aus. Wenn nötig, können wir dieses Wissen auch in die Gesprächsgruppe einfließen lassen oder Besucher*Innen Einzelsitzungen anbieten, wenn wir merken, dass dieser oder diese eine weitreichendere und individuellere Unterstützung benötigt.

Könntet ihr eine Geschichte oder eine Begegnung erwähnen, die euch sehr berührt hat?

Uns ist ein Erlebnis ganz besonders im Kopf und vor allem im Herzen geblieben: Das war eine Sternenmutter die 50 Jahre nach ihrem Verlust zu uns gefunden hat. Damals war dieses Thema natürlich noch ein größeres Tabu wie heute und es hat uns gezeigt, dass dieser Trauerprozess sowie das Kind seinen Platz und seine Zeit bekommen muss, damit diese Wunden heilen können und eine positive und leichtere Zukunft wieder möglich ist.

Wie läuft so ein Treffen genau ab?

Das ist ganz individuell und spontan. Wie bereit erwähnt, darf alles sein. Sprich man darf das tun, was man grade fühlt und wozu man sich gerade in der Lage sieht. Wenn die Sterneneltern an dem Tag dazu bereit sind, bieten wir ein kleines Anfangs- und Endritual an. Danach oder davor gibt es die Möglichkeit, dass die Eltern oder Angehörigen ihre Geschichten erzählen können. Sollten die Worte mal fehlen, ist auch Raum für das gemeinsame Schweigen oder wir erzählen auf Wunsch unsere eigenen Geschichten.

Wichtig ist uns, dass die Gesprächsgruppe guttun soll und daher schaut hier jeder auf seine eigenen Grenzen, ganz egal wo diese an diesem Tag liegen. Durch unsere Ausbildung haben wir natürlich auch ein gewisses Auge und Gespür für jeden Einzelnen und achten darauf, dass wir den Abend passend gestalten. 

Ist es kostenlos?

Ja, wir betreiben diese Gesprächsgruppe ehrenamtlich, weil uns wichtig ist, dass alle Sterneneltern die Möglichkeit haben, das erlebte in Form von Gesprächen zu verarbeiten und sich aufgefangen zu fühlen. Wir bieten aber als psychosoziale Beraterinnen auch Einzelbegleitungen sowie Paarbegleitungen an – diese sind jedoch mit Kosten verbunden.

Wie oft finden solche Treffen statt? 

Unsere Gesprächsgruppe findet jeden ersten Dienstag im Monat ab 19:30 Uhr im Lebensraum Bregenz statt.

Möchtet auch ihr einmal bei einem Treffen der Selbsthilfegruppe Sternen-Klar dabei sein, freuen sich Andrea und Sophia über euer Kommen.